„Brücken bauen"

Geflüchtete Menschen sind konfroniert mit unbekannten kulturellen Gewohnheiten und Regeln sowie der Verständigung in einer fremden Sprache. Insbesondere der Dschungel des Asylverfahrens und andere komplizierte bürokratischen Abläufe stellen eine große Herausforderung dar. Erschwerend hinzu kommen häufig eine ungeklärte Aufenthaltssituation, traumatisierende Erlebnisse im Heimatland oder auf der Flucht und Erfahrungen von Ausgrenzung und Diskriminierung. Es ist daher oft nicht leicht für Geflüchtete, sich in Deutschland ein neues Leben aufzubauen.

Eine Begleitung durch Ehrenamtliche kann hierbei enorm hilfreich sein und eine Brücke in die Gesellschaft bauen. Umgekehrt machen Ehrenamtliche durch ihr Engagement sinnstiftende und bereichernde Erfahrungen mit tollen Menschen aus anderen Kulturen und lernen viel über die Situation in den Herkunftsländern und die Lebenswirklichkeit von Geflüchteten.

Unsere langjährige Erfahrung in der psychosozialen Arbeit mit traumatisierten Folterüberlebenden und Kriegsflüchtlingen zeigt, dass neben Beratung und Psychotherapie vor allem der soziale Anschluss an die hiesige Gesellschaft das Ankommen und das Einleben in Deutschland ermöglicht. Die Verbindung und das Vertrauen in die Gesellschaft trägt maßgeblich zur psychischen Stabilisierung und Rehabilitation bei.

Das Mentorenprogramm von XENION stellt diesen Anschluss her. Es vermittelt, betreut und qualifiziert Ehrenamtliche, die Geflüchtete Einzelpersonen und geflüchtete Familien langfristig begleiten und u.a. bei Arbeitsmarktintegration, Wohnungssuche, Behördengängen, der Orientierung in der fremden Umgebung und Kultur helfen.

Die Mentorenarbeit

Mentor*innen begleiten Geflüchtete mindestens ein Jahr lang und helfen über Hindernisse im Alltag – Bürokratie, fehlende Deutschkenntnisse und fehlendes Wissen über das „WAS funktioniert WIE” hinweg. Dabei ist insbesondere die freundschaftliche Beziehung zu einer ortskundigen, muttersprachlichen Vertrauensperson wichtig. Sie vermittelt Geflüchteten eine wertvolle Botschaft gesellschaftlicher Akzeptanz. In vielen Fällen sind die Mentor*innen für ihre Mentees die einzigen Kontakte zur „einheimischen” Gesellschaft.

Mentor*innen nehmen sich etwa einmal pro Woche Zeit für ihre Mentees und unterstützen sie beispielsweise bei Folgendem:

  • Orientierung in der Stadt
  • Deutsch lernen
  • Wohnungssuche
  • Umgang mit Behörden und Bürokratie
  • Suche nach Arbeit sowie Weiterbildungs-, Ausbildungsmöglichkeiten
  • Schule (Hausaufgabenhilfe, Nachhilfe, Unterstützung der Eltern beim Kontakt mit der Schule),
  • Sozialraumorientierung / Förderangebote
  • Aufbau eines sozialen Netzwerkes
  • Umgang mit anderskulturellen Umgangsweisen

 

Ablauf

In sogenannten Clearingesprächen mit interessierten Klient*innen werden die Lebenssituation, Sprachkenntnisse und der erwünschte Unterstützungsbedarf erfasst. Gleichzeitig werden auch Ehrenamtliche in Einzelgesprächen u.a. zu ihren Erfahrungen, Sprachkenntnissen und zur zeitlichen Verfügbarbarkeit befragt. Nach Kriterien wie Alter, Sprache oder Wohnort gebildete Paare werden anschließend im Rahmen eines Vermittlungsgesprächs miteinander in Kontakt gebracht.

Im Rahmen des Programms erhalten Mentor*innen professionelle Anleitung, Schulungen und Begleitung durch die Projektverantwortlichen.

 

Geschichte

Das Mentorenprogramm von XENION besteht seit 2004 und hat seitdem – bekannt geworden u.a. durch verschiedene Medienauftritte (Berliner Morgenpost, BRIGITTE, RBB Funk und Fernsehen, Publik Forum, taz  etc.) – über Tausend Mentorenschaften vermittelt und betreut. Im Jahr 2018 engagieren sich 85 Mentor*innen ehrenamtlich für traumatisierte Geflüchtete und geflüchtete Familien. In vielen Fällen entstanden im Rahmen des Programms Freundschaften, die die Programmlaufzeit überdauern. Die Begegnungen von Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen schaffen Verständnis auf beiden Seiten und fördern den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Das Mentorenprogramm setzte als Modell bundesweit Maßstäbe für ähnliche Patenschafts- und Mentorenprojekte.

Team

  • Anette Koch

    Germanistin, Romanistin Projektkoordinatorin Mentorenprogramm und Ehrenamt, Fundraising

  • Elisa Totino

    Master of Public Policy Projektkoordinatorin im Mentorenprogramm

  • Vanessa Höse

    Historikerin, Kommunikations- und Verhaltenstrainerin Projektkoordinatorin im Mentorenprogramm

  • Fahed Khalili

    Bachelor of Laws (LL.B.) Projektmitarbeiter im Mentorenprogramm

  • Mounira Ammar

    M.A. Sozialwissenschaft, B.A. Politikwissenschaft und Amerikanistik Projektkoordination Parcours Plus

  • Anna Stammnitz

    Sozialwissenschaftlerin Soziale Beratung, Projektkoordinatorin Mentorenprogramm in Elternzeit

Kontakt

mentoren@xenion.org

030-8806673 -76 /-86 /-87